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Hilfseinsatz im Juli 2021
 

Nachdem im Juli 2021 das Ahrtal von einer katastrophalen Sturzflut betroffen war, haben wir uns kurzfristig entschlossen, zum Hilfseinsatz dorthin zu fahren.

Uns war bekannt, daß es auch 10 Tage nach der Überflutung Ortschaften gibt, die nur sehr schwer, z.B. über die Weinberge mit kleinen, geländegängigen Fahrzeugen erreichbar sind. Aufrgund eines direkten Kontaktes war der ursprüngliche Plan, Mayschoß anzufahren.

Wir haben dann unser Quad mit Hydraulikanlage verladen und weitere Vorbereitungen getroffen. Nachdem es vor Ort weder Wasser noch Strom noch Versorgung und Unterkunft gibt, war unser Wohnmobil als Unterkunft mit dabei (nicht im Bild).

Da Mayschoß nur via Quad anfahrbar war - die Bundesstraße existiert nicht mehr! - haben wir eine hydraulisch angetriebene Tauchpumpe von DYNASET mitgenommen, um Keller etc. auspumpen zu können. Alles an Material und Gerät konnte bis dato nur mit Quads und schmalen, kleinen Anhängern in den Ort transportiert werden.

Wir möchten uns hierfür auch bei unserem langjährigen Partner DYNASET bedanken, der uns eine Tauchpumpe HSP600 zu einem spitzen Preis und per Express auf eigene Kosten hat zukommen lassen!

Ebenfalls herzlichen Dank an Fritz Kast von Schlauchfuxx in Möttingen, der in einer Blitzaktion die nötigen Hydraulikleitungen angefertigt und uns gespendet hat!

 

 

Das Quad kann die HSP 600, die 600Liter pro Minute bei 5m Hubhöhe abpumpen kann, direkt über die Bordhydraulik und PTO betreiben. Durch die hohe Geländegängigkeit kommen wir auch an Orte, die zu Fuß oder mit anderen Fahrzeugen schwer bis gar nicht erreichbar sind.

Verstaut wird die Pumpe einfach im Schwerlastträger, neben dem Hydrauliktank mit Steuerventil und Schnellkupplungen:

Wir haben uns für 6m fest montierten Hydraulikschlauch entschieden. So kann man die Pumpe einfach 4-5m tief in einen Keller absenken, und mit Schnellkupplungen und Schläuchen nochmals verlängern:

Zum Test haben wir im Garten dann ein Regenfass mit 300l Wasser und 10m Pumpschlauch leergemacht.

 

Selbst im Leerlauf des Quads - hier läuft die Tauchpumpe nur mit halber Leistung - kommen aus dem 2"-Schlauch schon enorme Wassermengen.

Wenn man die Drehzahl via Handgas anhebt, ist die Regentonne innerhalb weniger Sekunden leer:

Was uns dann aber vor Ort erwartete, ist eine ganz andere Story. Mehr im nächsten Abschnitt.

 

Nach einer Anfahrt und Übernachtung in Gelsdorf haben wir unsere Kontakt informiert und nach detaillierten Einsätzen gefragt. Wir wurden dann nach Dernau gelotst mit einer Ansprechpartnerin vor Ort, die uns entweder direkt benötigt (Drei Mann, Kettensägen, Bergewinde, Schaufeln, Tauchpumpe etc.) oder weitiere Hilfsbedarfe kennt und vermitteln kann. Mayschoß war zu diesem Zeitpunkt abgeriegelt wegen der Verkehrssiuation.

Bei der Anfahrt in das Katastrophengebiet ei Dernau haben wir einen Blick von oben in das Ahrtal erhalten:

Die Katastrophe hat das gesamte Tal geflutet. Aufgrund der Einblicke in Dernau selbst habe ich in dasselbe Bild eingezeichnet wie weit das Wasser gestanden hat. Es ist nicht vorstellbar:

In einem weiteren Bild sieht man ganz hinten rechts rot markiert den Schuttsammelplatz (hier war früher der Bahnhof) sowie eine der beiden letzten verbliebenen Brücken von insgesamt 18 (!), die noch befahrbar war:

Dort war auch die Sägemühle, bei der wir später geholfen haben. Um sie zu erreichen mussten wir die Ahr überqueren. Die Suche nach der Brücke hat 1 Stunde gedauert. 90% der Menschen im Tal sind externe Helfer ohne Ortskenntnis und konnten nicht helfen, und Navigation ist ohne Straßen nicht möglich. Es gibt teilweise keine Straßen mehr.

 

Als wir in Dernau angekommen sind, hat uns unsere Ansprechpartnerin zwei Anwohner vermittelt, die noch abgesoffene Heizölkeller haben. Für die Pumpe kein Problem. Durch den Hydraulikmotor kann sich Heizöl auch nicht entzünden. Die Anfahrt war surreal, wenn man bedenkt dass schon zehn Tage lang aufgeräumt wurde, als wir ankamen. So z.B. ein Bild von der Bundesstraße - die Stahlgeländer sind einfach weggerissen und verbogen.

Im Ort ein Bild der Verwüstung. Wir haben nicht viele Bilder gemacht, unser Fokus lag auf der Suche und der direkten Hilfe. Das Wasser stand 100m fern der Ahr noch bis zum ersten Stock! Alles was man hier sieht war unter Wasser und ist zerstört.

Bei der Anfahrt zu den beiden Kontakten waren wir auch im höher gelegenen Ortsteil von Dernau. Ich habe hier die Linie eingezeichnet, bei der das Wasser stand. Die Ahr hatte den Pegel um zwölf Höhenmeter angehoben im Unglückszeitraum!

Bei den beiden Ölkellern die wir auspumpen wollten, mussten wir jedoch unverrichteter Dinge abziehen. Es wäre kein Problem gewesen, die Keller leerzumachen, allerdings gab es keinen Tank, um das Heizöl-Wasser-Gemisch aufzufangen. Wir mussten also unser ursprüngliches Vorhaben aufgeben.

Um aber nicht sinnlos nach einem Keller voller Wasser zu suchen, haben wir uns weitervermitteln lassen und direkt angepackt. Ein Hilfeersuchen führte uns zu einem Sägewerk über die Ahr. Die verbliebene Brücke war nur über den Schuttsammelplatz versteckt erreichbar, und wir haben eine Stunde danach gesucht.

 

Hier ein Bild von der Brücke:

Es ist eine alte Steinbrücke, sehr schmal und mit max. 12 Tonnen belastbar. Die Brücke war durch das Hochwasser komplett überspült gewesen.Wir schauen für dieses Bild aus dem Hof des Sägewerks auf die Brücke. Links liegen Stämme aus dem Stammlager. Um die Einfahrt frei zu bekommen, wurden diese abgesägt.

Viele der Stämme wurden einfach fortgespült und haben flussabwärts zur Verwüstung beigetragen. An Hindernissen und Brücken verkeilt sich das Holz, es staut den Fluss und reißt alles mit sich - Häuser, Autos, Brücken, Menschen usw.

Im Hof des Sägewerkes weitere Verwüstung - nach 10 Tagen Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät!

Die Stahlträger des Daches im Hintergrund wurden verbogen wie Strohhalme. Das Sägewerk stand bis unter's Dach der Maschinenhalle unter Wasser. Die Schlammschicht war über 10cm dick.

Wir haben dann Schaufeln und Schubkarre gepackt und angefangen, die Einfahrt der Maschinenhalle aufzuräumen. Hauptsache geholfen!

Die Bundeswehr hatte zwei LkW im Einsatz, die alle 5 Minuten eine volle Ladung Schlamm, Schrott und Holz weggefahren hat. Essen gab es mittags auch von der BW, das Rote Kreuz kam einmal mit zwei Sanis um ggf. Verletzungen zu versorgen, und die zwei Bagger und Geländestapler wurden vom THW mit Diesel aus Kanistern versorgt. Wasserflaschen stehen überall für die Leute, Brauchwasser in 1000l-IBC-Containern.

Im ganzen Ort gibt es keinen Strom oder Wasser. Dernau erzeugt eine unglaubliche Geräuschkulisse: hunderte Stromaggregate laufen im ganzen Ort, Bautrocker und Hochdruckreiniger arbeiten, und Bagger, Lkw etc. arbeiten ohne Unterlass.

 

Den Weg zurück haben wir gefilmt. Bei der HINFAHRT war der Platz noch deutlich weniger mit Schutt gefüllt. Innerhalb eines Tages haben sich die Müllberge vervielfacht!

 

Wir waren kaputt, schmutzig, verschwitzt und fertig. Aber, wir konnten anpacken und helfen. In Dernau und den anderen Orten wird auch in den nächsten Monaten jede Hilfe benötigt. Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt sind phänomenal.

 

 

 

Wir hatten am Quad jetzt nur eine Tauchpumpe dabei. Die Hydraulikanlage kann aber noch viel mehr betreiben, wenn man an Einsätze von Feuerwehr oder Katastrophenschutz denkt:

  • Hochdrucklöschlanzen
  • Hydraulikspreizer
  • Feuerlöschpumpen
  • Wasserhochdruckpumpen etc.

Alles verlastet, transportiert und angetrieben durch ein hochgeländegängiges, kleines und wendiges Fahrzeug, das auch unter schwierigsten Bedingungen Orte erreichen kann und zumindest einen schnellen Erstangriff durchführen kann!

Interesse? Fragen Sie uns, wir demonstrieren Ihnen das Fahrzeug und seine Möglichkeiten gerne!